Die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren bei ADHS

Dass ungesättigte Fettsäuren wichtig für die Gehirnfunktion sind, ist bekannt. Dazu zählen Omega-3-Fettsäuren wie EPA (Eicosapentaensäure), DHA (Docosahexaensäure) und als pflanzliche Variante und Vorstufe von EPA und DHA auch ALA (Alpha-Linolensäure). Ebenso wichtig sind Omega-6-Fettsäuren, wobei Lebensmittel, die solche enthalten, in der Regel häufiger auf dem Speiseplan stehen, als Omega-3-Lieferanten. Letztere sind vor allem Fisch. Bereits 1987 wurde festgestellt, dass bei nervösen, besonders unruhigen und hyperaktiven Kindern die Konzentration an ungesättigten Fettsäuren niedriger ist, als bei nicht betroffenen Kindern. Forschungen ergaben allerdings keine nennenswerten Unterschiede hinsichtlich der aufgenommenen Menge an ungesättigten Fettsäuren bei ADHS-Kindern. Das könnte bedeuten: Kinder mit ADHS haben einen höheren Bedarf.

Studien untersuchen den Zusammenhang

Seit der Erkenntnis eines niedrigeren Omega-3- und -6-Spiegels bei von ADHS betroffenen Kindern haben sich zahlreiche Studien damit befasst. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus, da mit abweichenden Dosierungen experimentiert wurde und auch die übrigen Parameter keine einheitliche Forschungsbasis darstellten. Mangels stichhaltigen Ergebnissen befürworten daher nach wie vor viele Mediziner die medikamentöse Behandlung.

Aufgrund der Nebenwirkungen suchen Eltern und Wissenschaftler dennoch nach Alternativen oder zumindest ergänzenden Behandlungsmethoden, um mehr positive Effekte zu erzielen. Dabei gilt der Ernährung ein Hauptaugenmerk, unter anderem den Omega-3-Fettsäuren: Es ist erwiesen, dass ein Mangel Unruhe und impulsives Verhalten begünstigt. Folglich könnte eine bessere Versorgung einen ausgleichenden Effekt haben. Eine Meta-Analyse international vorliegender Studien bestätigt diese Vermutung:

  • betroffene Kinder haben einen niedrigeren Omega-3-Spiegel
  • insgesamt wurden die Symptome durch die Aufnahme von Omega 3 gelindert

Wirkung offensichtlich nicht bei allen Kindern gleich

Wie schon frühere Studien ergaben, weichen bei Untersuchungsreihen die Ergebnisse stark voneinander ab. Die einen lassen hoffen, ADHS-Symptome mit der Zufuhr von ungesättigten Fettsäuren zu lindern, andere geben Anlass zu der Vermutung, der gewünschte Effekt bleibe aus. Forschungen jüngerer Zeit geben Eltern jedoch weiterhin Hoffnung, denn zumindest bei einigen Kindern beobachteten Verwandte, Bekannte, Lehrer und Mediziner bei Omega-3- und -6-Zufuhr deutliche Verbesserungen.

2012 wurde die Supplementierung mit Nahrungsergänzungsmitteln an Kindern erforscht, die nicht oder schlecht auf Ritalin ansprachen. Zur Kontrolle wurden einem Teil der Kinder Placebos verabreicht. Während sich bei dieser Gruppe keine Veränderungen gegenüber vorher einstellten, konnten bei der Gruppe, die ungesättigte Fettsäuren erhielt, positive Veränderungen hinsichtlich Unruhe, aggressivem Verhalten und Konzentration/Disziplin festgestellt werden. Eine weitere Studie untersuchte gezielt die Wirkung von EPA und DHA sowie das Zusammenwirken mit Omega-6-Fettsäuren: Der Fettsäurespiegel der Zellmembrane wurde für aussagekräftige Ergebnisse gemessen.

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Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass EPA und DHA eine positive Wirkung auf die Merkfähigkeit bei ADHS haben. Als relevant hat sich diesbezüglich außerdem das Verhältnis von Omega 3 zu Omega 6 herauskristallisiert. Zu wenig Omega 3 gegenüber Omega 6 beeinträchtigte die Merkfähigkeit, ein höherer Omega-3-Spiegel bei Absenkung der Omega-6-Konzentration führte dagegen zu einer Verbesserung. Um eine Behandlung bei ADHS effektiv zu unterstützen, müsse immer eine Analyse des Fettsäurespiegels erfolgen, resümierten die Wissenschaftler. Auf dieser Basis könnten bei einem Defizit gezielt die richtigen Fettsäuren in angemessener Dosierung als Nahrungsergänzung zugeführt werden oder eine individuelle, Erfolg versprechende Ernährungsberatung erfolgen. Da es zahlreiche Omega-3-Kapseln mit unterschiedlichen Qualitätsmerkmalen gibt - haben wir einige für Sie getestet und erläutert, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.

Für Kinder ist Omega 3 besonders wichtig

Kinder befinden sich im Wachstum. Zur vollständigen gesunden Entwicklung benötigt der Organismus zahlreiche Nährstoffe. Das betrifft auch das Gehirn und damit einhergehend das Nervensystem.

Tipp: Wussten Sie, dass Fettsäuren einen großen Anteil des Gehirns ausmachen? Zur Entwicklung, auch des Gehirns, brauchen Kinder ungesättigte Fettsäuren. Der optimale Omega-3- und -6-Spiegel in Gehirn und Nervensystem weicht von dem Erwachsener ab, die Omega-3-Konzentration darf im Verhältnis gerne höher sein. Essen Ihre Kinder so viel Fisch, um diesen Bedarf zu decken?

Die Versorgung ist übrigens bereits bei Ungeborenen wichtig, weshalb auch Schwangere und anschließend stillende Mütter besonders darauf achten sollten, die richtigen ungesättigten Fettsäuren in ausreichender Menge aufzunehmen.

Die Wichtigkeit einer guten Omega-3-Versorgung zeigt sich unter anderem in der NHANES-III-Studie. Hier wurden kognitive Untersuchungen an Kindern durchgeführt. Das Ergebnis: Eine gute Omega-3-Versorgung durch die Ernährung führt zu verbesserten kognitiven Fähigkeiten, zu wenig kann die Leistungsfähigkeit des Gehirns einschränken. Möglicherweise hat dies außerdem Verhaltensauffälligkeiten zur Folge. Es zeigte sich aber auch, dass bei einer sehr hohen Omega-6-Aufnahme gegenüber Omega 3 die kognitiven Leistungen litten.

Ähnliche Untersuchungen fanden bei englischen Schülern im Hinblick auf das Sozialverhalten statt: Die Nahrungsmittelergänzung mit Omega 3, Vitaminen und Mineralien stand einer Placebogruppe gegenüber. Erstere neigten eher zu unauffälligem oder sozial engagiertem Verhalten, während die Schüler aus der Placebogruppe sozial auffälliger waren. Neuropsychiatrische Untersuchungen und Erhebungen konnten dies bestätigen. Dabei ist hervorzuheben, dass einige typische Symptome, die mit ADHS einhergehen, verstärkt durch die DHA-Gabe zurückgingen. Für das Gehirn mag diese ungesättigte Fettsäure tatsächlich noch bedeutender sein als EPA. Entsprechende Forschungen werden fortgesetzt.

Omega 3 macht nicht intelligenter

Es wäre ein Trugschluss, nun anzunehmen, dass Schwangere nur ordentlich fettreichen Seefisch essen oder Omega-3-Kapseln zu sich nehmen müssten, um intelligente Kinder ohne Verhaltensauffälligkeiten zur Welt zu bringen. Die Leistungsfähigkeit des Gehirns und insbesondere das Verhalten wird maßgeblich durch weitere Faktoren mitbestimmt. Dennoch zeigt auch eine mexikanische Studie, dass der Ausgleich eines Omega-3-Mangels oder eines relativen Mangels gegenüber Omega 6 schon nach drei Monaten zu einer Verbesserung der Konzentrations- und Merkfähigkeit führen kann.

Wiederum ist dabei vor allem DHA zu erwähnen, welches sich sowohl im Gehirn als auch als Bestandteil der Netzhaut findet. So verwundert es kaum, dass ein Mangel genau hier Beeinträchtigungen begünstigt.

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Omega 3 statt Ritalin?

Die Studien zur Wirkung ungesättigter Fettsäuren wie Omega 3 bei ADHS sind längst noch nicht abgeschlossen. Zahlreiche Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich mit einer ausgewogenen Ernährung einige Symptome deutlich lindern lassen und Verhaltensauffälligkeiten positiv beeinflusst werden. Auch allgemeine Unruhe und Konzentrationsstörungen können auf mangelnde Omega-3-Aufnahme zurückzuführen sein. Ob dies der Fall ist, muss stets im Einzelfall untersucht werden. Ebenso ist es möglich, dass eine Kombination verschiedener Nährstoffe positiven Einfluss nimmt. In Mexiko wurde zum Beispiel die Wirkung von Omega 3, Zink und Magnesium in Kombination untersucht.

Ob durch eine angepasste Ernährung auf Ritalin verzichtet werden kann oder eine Unterstützung der Behandlung zum gewünschten Erfolg führt, kann nicht eindeutig gesagt werden. Wohl aber besteht kein Zweifel daran, dass Kinder die ungesättigten Fettsäuren aus Omega 3 sowie weitere Nährstoffe für die Entwicklung benötigen. Eine ausgewogene Ernährung ist der beste Weg dahin - gegebenenfalls mit Unterstützung von Nahrungsergänzungsmitteln, jedoch stets abgestimmt auf den Bedarf.

Lucia Baldessarini (Chefredakteurin)

Lucia Baldessarini (Chefredakteurin)

Lucia Baldessarini ist die Chefredakteurin von TrueHealth.org. Als leitende Journalistin hat sie nicht nur jahrzehntelange Erfahrungen in den Bereichen der ausführlichen Recherchen, Faktenprüfungen und Analysen, sondern auch ein Medizin Studium absolviert, das ihr die nötige Expertise für wissenschaftliche Arbeiten beschert. Auf Lucias Urteil ist Verlass!

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