Omega 3 als Allheilmittel gegen Demenz, Krebs, Depressionen & Co.?

In den Medien wird eine verwirrende Vielzahl an Expertenmeinungen zu Omega 3 publiziert. Einerseits wirkt es, als wäre ein Allheilmittel gegen viele Krankheiten gefunden, andererseits werden positive Effekte auf ein Minimum reduziert oder den mehrfach ungesättigten Fettsäuren gar völlig abgesprochen: Omega-3-Kapseln seien wirkungslos und nur dazu da, Ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Wie so oft findet sich die Wahrheit in der goldenen Mitte.

Gesundheit fängt in den Zellen an

Im Gegensatz zu gesättigten Fettsäuren sind ungesättigte aufgrund ihrer Doppelbindungen reaktionsfähig. Sie sind in der Lage, Verbindungen im Körper einzugehen, unter anderem in den Zellhüllen. Omega-3-Fettsäuren verfügen über mehrere Doppelbindungen, was die Reaktionsfähigkeit noch steigert und sie für den Körper umso wertvoller macht. Sie können vollständig in die Zellmembran integriert werden. Zudem lagern sie sich an den roten Blutkörperchen an, so dass sie praktisch überall im Organismus hingelangen können. Über einen Labortest des Blutes ist auch der Nachweis möglich, wobei die Konzentration der ungesättigten Fettsäuren als Index bezeichnet wird. Als ideal wird ein Index von gut acht Prozent betrachtet. Je weiter der Wert darunter liegt, umso höher ist die Anfälligkeit gegenüber verschiedenen Funktionsstörungen im Organismus.

(Bild ID 60113605)

Die Zellen profitieren von den Omega-3-Fettsäuren, indem ihr Schutz verstärkt und ihre Funktionalität unterstützt wird. Auch an der Hormonproduktion ist Omega 3 beteiligt. Sowohl die Zellgesundheit als auch der Hormonhaushalt tragen wesentlich dazu bei, dass die Funktionen im Organismus störungsfrei ablaufen. Damit Omega 3 dieser Aufgabe gerecht werden kann, darf der Anteil im Verhältnis zum ebenfalls essenziellen Omega 6 allerdings nicht zu klein sein, denn beide benötigen zur Verstoffwechslung ein Enzym. Bei einem zu hohen Anteil Omega 6 bleibt das Omega 3 dabei schlicht auf der Strecke. Einem solchen Ungleichgewicht begegnen Sie, indem Sie zum Beispiel Omega-6-haltige Nahrungsmittel wie Sonnenblumenöl und Fleisch reduzieren und die Omega-3-Zufuhr durch solche wie Leinsamenöl und Fisch erhöhen.

Omega 3 für Gehirn und Nerven sowie gegen Entzündungen

Steht den Zellmembranen ausreichend Omega 3 zur Verfügung, profitieren davon die Nervenzellen sowie die Gehirnentwicklung und -aktivität. Statistisch leiden Menschen, die viel Seefisch verzehren, seltener unter Alzheimer. Gesunde Zellen tragen weiterhin dazu bei, entzündliche Prozesse im Körper zu hemmen. Solche sind an verschiedenen Krankheiten wie Rheuma und Arteriosklerose beteiligt und Menschen mit höherem Omega-3-Index sind laut der Framingham Heart Study aus den USA seltener davon betroffen als solche mit einer Unterversorgung. Da auch bei Prozessen im Gehirn, die mit Demenz einhergehen, Entzündungen beteiligt sind, vermuten Wissenschaftler, dass mit der Supplementierung von Omega 3 das Risiko für eine solche Erkrankung reduziert werden könnte.

Studien bestätigen positive Wirkung auf die Gehirntätigkeit

Fettsäuren haben einen hohen Anteil am Gewebe des Gehirns und unterstützen dessen komplexe Funktionen sowie die der Nervenzellen. Alzheimer geht mit einer Reduzierung der gesunden Nervenzellen einher. In den Jahren 2013 und 2016 wurden an der Charité Berlin, Bereich Universitätsmedizin, diesbezügliche Studien durchgeführt. 2013 waren es 65 Probanden, aufgeteilt in eine Omega-3- und eine Placebo-Gruppe. Erstere erhielt täglich 2,2 Gramm Omega 3 als Nahrungsergänzungsmittel. Hier konnte bei 26 Prozent der Teilnehmer eine Verbesserung bei eigenständigen, koordinativen Tätigkeiten festgestellt werden. Die Untersuchungen 2016 ergaben eine verbesserte Leistung des Gedächtnisses in Bezug auf die Erinnerungsfähigkeit. Wiederum erhielt eine Gruppe der Probanden ein Placebo, die andere 2,2 Gramm Omega-3-Fettsäuren.

(Bild ID 197746488)

Alterungsprozess lässt sich nicht aufhalten

Der Alterungsprozess ist ein natürlicher Vorgang und lässt sich nicht aufhalten. Wohl aber ist es den Studienergebnissen zufolge möglich, als charakteristisch eingestufte Symptome zu reduzieren, indem die Funktionalität von Gehirn und Nerven über wichtige Nährstoffe länger aufrecht erhalten wird. Unkonzentriertheit und Vergesslichkeit können bereits bei jüngeren, an sich als gesund eingestuften Menschen auftreten und solche gehen nicht selten mit einem niedrigen Omega-3-Index einher, bestätigen Untersuchungsreihen.

Bei Demenz und Alzheimer handelt es sich um Erkrankungen, die mit neurodegenerativen Prozessen einhergehen. Dem gehen leichtere Beeinträchtigungen voraus. Spätestens zu diesem Zeitpunkt könnten gezielte Gaben von Omega 3, gegebenenfalls in Kombination mit weiteren Nährstoffen wie B-Vitaminen, helfen, die Gehirnleistung wieder zu verbessern und sie länger zu erhalten. Für Betroffene würde dies bedeuten, länger ein eigenständiges Leben führen zu können. Damit sollen sich weitere Studien intensiv befassen - auch, ob über die Ernährung vorbeugende Maßnahmen möglich sind.

Bemühungen der Krebsforschung

Omega-3-Fettsäuren können entzündliche Prozesse im Organismus vermindern. Viele Studien haben sich mit Krebserkrankungen befasst und einige weisen darauf hin, dass Entzündungen die Tumorbildung sowie deren Wachstum beziehungsweise ein Fortschreiten der Erkrankung beschleunigen. Das ist Anlass genug für die Wissenschaft, die mehrfach ungesättigten Fettsäuren im Hinblick auf Krebserkrankungen näher zu untersuchen. In einer Versuchsreihe zeigten Mäuse, die mit Krebszellen versetzt wurden, ein geringeres Tumorwachstum bei der Gabe von EPA und DHA. Untersuchungen gab es in verschiedenen Ländern der Welt auch bei Frauen, die unter Brustkrebs litten. Hier wurden der Omega-3- und der Omega-6-Spiegel gemessen. Ein unverhältnismäßig hoher Omega-6-Anteil geht mit einem erhöhten Brustkrebsrisiko einher, so das Ergebnis, während bei gesteigerter Omega-3-Zufuhr das Risiko eingedämmt werden könnte.

Allerdings gibt es variable Arten von Krebszellen und immer ergaben die Untersuchungen nur teilweise Erfolge. Vermutlich müssen neben der Art des Krebses selbst zumindest auch die jeweiligen Lebensumstände und die individuelle Konstitution berücksichtigt werden, um näheren Aufschluss zu erhalten. Das betrifft auch Depressionen und weitere Krankheiten. Als Allheilmittel kann Omega 3 daher sicher nicht betrachtet werden. Wohl aber leistet es nachweislich gute Dienste, indem es die unterschiedlichsten Funktionen im Organismus unterstützt.

Nehmen Sie genug Omega 3 zu sich?

(Bild ID 47651029)

Es gibt trotz nicht immer ganz eindeutiger Forschungsergebnisse viele Nachweise, dass Omega 3 mit nicht zu vernachlässigenden positiven gesundheitlichen Effekten einhergeht. Überprüfen Sie daher Ihren Speiseplan: Nehmen Sie ausreichend Nahrungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren auf? Wie verhält es sich mit dem Verhältnis zu Omega 6? Essen Sie ausgewogen und vitaminreich? Können Sie den täglichen Bedarf nicht über die Nahrung decken, tun Sie Ihrer Gesundheit einen Gefallen, die Omega-3-Versorgung sinnvoll zu ergänzen: Die fünf besten Omega 3 Produkte haben wir für Sie verglichen.

Lucia Baldessarini (Chefredakteurin)

Lucia Baldessarini (Chefredakteurin)

Lucia Baldessarini ist die Chefredakteurin von TrueHealth.org. Als leitende Journalistin hat sie nicht nur jahrzehntelange Erfahrungen in den Bereichen der ausführlichen Recherchen, Faktenprüfungen und Analysen, sondern auch ein Medizin Studium absolviert, das ihr die nötige Expertise für wissenschaftliche Arbeiten beschert. Auf Lucias Urteil ist Verlass!

Click Here to Leave a Comment Below

Leave a Comment: