Melatonin vs. chemische Schlafmittel: Wo liegen die Unterschiede?

Melatonin vs chemische Schlafmittel

Eine Entscheidung für den Einsatz von Melatonin ist zugleich eine (vorläufige) Entscheidung gegen chemische Schlafmittel. Ein großer Unterschied zeigt sich sofort auf den ersten Blick: Melatonin ist ein körpereigenes Hormon, während chemische Schlafmittel mit eben chemischen Stoffen arbeiten, um im Nervensystem Reaktionen zu provozieren. Nachfolgend soll einmal dargestellt werden, warum Melatonin vor allem bei leichten Ein- und Durchschlafproblemen meist die bessere Lösung darstellen sollte.

Wie funktionieren chemische Schlafmittel?

Achtung: Nachfolgend wird eine allgemeine Erklärung geliefert. Je nach Wirkstoff ist es natürlich denkbar, dass dieser anders im Körper oder im Nervensystem arbeitet. Die grundlegende Funktionsweise moderner chemischer Schlafmittel, wie sie in Deutschland zugelassen sind, ist aber ähnlich.

Chemische Schlafmittel werden synthetisch im Labor erzeugt und arbeiten mit ebenso synthetischen Stoffen, die für gewöhnlich nicht im Körper zu finden sind und demnach nicht von diesem eigenständig produziert werden. Sie werden oral eingenommen, wo sie später dann in den Blutkreislauf abgegeben werden. Da arbeiten sich die synthetischen Stoffe zum Gehirn vor, wo sie die sogenannten Gaba-Rezeptoren anregen.

Gaba-Rezeptoren sind empfindliche Andockstellen, die sich überall im Gehirn des Menschen befinden. Durch die Aktivierung der Rezeptoren werden verschiedene komplexe biochemische Prozesse im Gehirn ausgelöst - unter anderem werden Chlorid-Ionen-Kanäle geöffnet. Das wiederum hat zur Folge, dass sich die elektrische Ladung der Rezeptoren verändert.

Möchte man es noch einfacher ausdrücken, werden im Gehirn also unzählige kleine Schalter umgelegt, welche für den Schlaf verantwortlich sind. So werden Gehirn und Körper quasi forciert, sich für die Dauer der Wirkung in den Schlaf zu versetzen. Damit zeigt sich bereits ein grundlegender Unterschied zum Melatonin: Dieses forciert aus biochemischer Sicht keinen Schlaf, sondern signalisiert dem Körper lediglich, dass es Zeit zum Schlafen ist.

So funktioniert im Gegenzug Melatonin

Wie Melatonin genau funktioniert, haben wir unter anderem in unserem umfangreichen Melatonin Artikel zu den 5 besten Produkten auf dem Markt analysiert. Kurzum steuert Melatonin den Tag-Nacht-Rhythmus und wird körpereigen ausgeschüttet, kann über entsprechende Präparate aber auch extern zugeführt werden. Dem Körper wird folglich signalisiert, dass es Nacht ist und er schlafen muss, um sich zu regenerieren. Die dafür notwendigen Prozesse leitet er selbst ein, ohne dass das Melatonin zwangsweise in die biochemischen Vorgänge im Gehirn eingreift. (Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17875243)

Können Schlafmittel und Melatonin abhängig machen?

Hier ist eine geteilte Antwort erforderlich: Schlafmittel können abhängig machen, Melatonin hat hingegen keine Suchtwirkung. Das Gehirn kann sich bei chemischen Schlafmitteln daran gewöhnen, dass das Medikament die notwendigen Prozesse zum Schlafen ausführt, weshalb es diese ein Stück weit verlernt. Die Folgen davon liegen auf der Hand:

  • künftiges Einschlafen ohne chemische Schlafmittel wird schwieriger
  • der Schlaf ist nicht mehr so erholsam, da er nicht natürlich eingeleitet wurde
  • es kann eine Abhängigkeit zum chemischen Schlafmittel entwickelt werden

Melatonin hat hingegen keine abhängig machende Wirkung, denn das Hormon wird so oder so vom Körper selbst produziert - manchmal nur eben weniger, als für ein gesundes Ein- und Durchschlafen notwendig wäre. Der Körper verlernt durch die Zunahme von Melatonin Präparaten nicht, wie er dieses produzieren muss, zumal daran noch andere Hormone gekoppelt sind - wie beispielsweise Serotonin als Glückshormon oder Cortisol als Stresshormon.

Im Fachjargon bezeichnet man das als den "circadianen Zyklus", also die Steuerung zwischen Tag und Nacht, den Reizen Hell und Dunkel sowie dem Wachsein und Schlafen. Weil diese Gegenspieler kontinuierlich abgebaut, umgewandelt und wieder neu aufgebaut werden, kann durch die Einnahme von Melatonin keine langfristige Verschiebung der Balance zwischen den Hormonen stattfinden, weshalb auch keine abhängig machende Wirkung eintritt.

Nebenwirkungen - welche Unterschiede zeigen sich hier?

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Nebenwirkungen. Melatonin ist bei sachgemäßer Anwendung frei von Nebenwirkungen, was sich erneut damit begründet, dass das Hormon sowieso immer im Körper vorkommt. Vereinzelt können Menschen mitunter über Kopfschmerzen oder Trägheit berichten, solche Symptome sind aber nicht unbedingt dem Melatonin zuzuordnen, lassen sich nicht reproduzieren und können demnach auch einfach aus einem schlechten Schlaf, Stress oder anderen Faktoren resultieren.

Chemische Schlafmittel hingegen haben immer eine Reihe von Nebenwirkungen. Das lässt sich aufgrund der synthetischen Stoffe sowie dem Eingreifen in biochemische Prozesse vom Gehirn nicht verhindern. Zudem müssen diese körperfremden Stoffe wieder abgebaut werden, was beispielsweise zu einer Belastung vom Herzen, den Nieren oder der Leber führen könnte. Neben der süchtig machenden Wirkung solcher chemischen Schlafmittel, sind die Nebenwirkungen der zweite Grund, warum Mediziner nur in höchster Not entsprechende Präparate verschreiben.

Mit Melatonin erhalten Sie ein nicht süchtig machendes, natürliches Präparat, das auf dem körpereigenen Schlafhormon aufbaut. Insbesondere bei leichten Ein- und Durchschlafbeschwerden empfiehlt es sich daher, lieber erst einmal ein Produkt mit Melatonin auszuprobieren, statt direkt zur "Chemiekeule" in Form von synthetischen Schlafmitteln (und ihren Nebenwirkungen) zu greifen.

Schlaf ist notwendig - Präparate dienen als kurzfristige Unterstützung

In den überwiegenden Fällen sollten (und werden) Schlafmittel nur kurzfristig eingesetzt - chemische Varianten noch wesentlich seltener als natürliche Stoffe mit beruhigender Wirkung oder beispielsweise Präparate mit Melatonin. Das ist auch gut so. Einerseits benötigt der Körper seinen erholsamen Schlaf, um sich zu regenerieren und wichtige Prozesse im Körper und Gehirn zu vollziehen, andererseits sollte dieser Schlaf immer so natürlich wie möglich zustande kommen. Der REM-Schlaf gilt als besonders erholsam. (Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24499013)

Ausnahmen sind Menschen jenseits der 55 bis 60 Jahre. Im gehobenen Alter produziert die Zirbeldrüse nur noch sehr wenig Melatonin, weshalb dann auch mittel- oder gar langfristige Behandlungen mit Melatonin Präparaten denkbar sind, um die Schlafqualität entschieden zu verbessern. Chemische Schlafmittel hingegen sollten eine absolute Ausnahme bleiben und sind deshalb in entsprechenden Dosierungen nicht frei verkäuflich, sondern werden erst nach Absprache mit dem Arzt in üblicherweise geringen Mengen auf Rezept verschrieben.

Lucia Baldessarini (Chefredakteurin)

    Lucia Baldessarini (Chefredakteurin)

    Lucia Baldessarini ist die Chefredakteurin von TrueHealth.org. Als leitende Journalistin hat sie nicht nur jahrzehntelange Erfahrungen in den Bereichen der ausführlichen Recherchen, Faktenprüfungen und Analysen sammeln können, sondern auch an wissenschaftlichen Texten arbeiten können, die ihr die nötige Expertise für qualitativ hochwertige Untersuchungen bescheren.

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