Melatonin – gegen was hilft das Schlafhormon mitunter noch?

Gegen was hilft Melatonin

Wissenschaftlich ist belegt, dass das Schlafhormon im Körper vorkommt und für die Regelung des Tag-Nacht-Rhythmus verantwortlich ist. Abseits von Einschlaf- und Durchschlafproblemen sowie deren Behandlung durch Melatonin, wird das Hormon aber immer wieder mit anderen Erkrankungen und Symptomen in Verbindung gebracht.

Melatonin gegen Jetlag

Eine fast noch effektivere Wirkung als bei Einschlafproblemen wird dem Melatonin beim Kampf gegen den Jetlag zugeschrieben. Insbesondere bei Langstreckenflügen kann es aufgrund der damit verbundenen Zeitverschiebung zu Jetlag kommen. Dann fühlt man sich, wenn man endlich im Urlaubsparadies oder an der geschäftlichen Destination angekommen ist, schnell abgeschlagen und wird womöglich in der Nacht gar nicht mehr schlafen, dafür am Tag leider umso besser. Zudem wirkt sich Jetlag oftmals generell in negativer Weise auf die Leistungsfähigkeit aus und wird als sehr belastend empfunden.

Melatonin bei Jetlag

Schuld daran ist der sogenannte circadiane Rhythmus, welcher innerhalb von 24 Stunden alle wichtigen Prozesse des Körpers regelt. Weil die Verschiebung der Zeitzonen und des damit einhergehenden Tag- und Nachtwechsels nun aber die Melatoninproduktion, gemeinsam mit anderen Abläufen im Organismus, durcheinander wirbelt, bleiben Symptome nur selten aus. Melatonin hilft deshalb, weil es zur richtigen Zeit eingenommen den zu niedrigen Melatoninspiegel wieder auffüllen kann.

Deshalb wird bei Jetlag Melatonin in den frühen Abendstunden am Zielort eingenommen, um möglichst einen erholsamen Schlaf zu finden und zugleich den Melatoninspiegel auf die neue Zeitzone auszubalancieren. (Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18342269)

Melatonin selbst ist kein chemisches Schlafmittel und wird den Körper deshalb auch nicht zwingen zu schlafen. Es dient mit Hinblick auf den Jetlag viel mehr dazu, dem natürlichen Rhythmus einen Schub zu verleihen, damit sich dieser nicht über mehrere Tage hinweg selbst an die neue Zeitzone und die zum Heimatort unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten gewöhnen muss.

Hilft Melatonin im Kampf gegen das sichtbare Altern?

Der Markt der Anti-Aging-Produkte ist in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten förmlich explodiert. Zwingend überraschend ist das nicht, denn wer möchte schon frühzeitig altern, wenn sich unliebsame Erscheinungen wie schlaffe Haut und Co. zumindest verlangsamen lassen? Einige Forscher bringen Melatonin daher mit dem vorzeitigen Altern (vor allem von der Haut) in Verbindung.

Fest steht, dass das Melatonin definitiv nicht in der Lage ist bereits existente Alterserscheinungen der Haut rückgängig zu machen. Wo es aber Vorteile bieten könnte, ist die Prävention von Alterserscheinungen. Um zu verstehen, warum das so ist, lohnt sich ein Blick auf unseren Organismus. Dieser:

  • reduziert die eigene Aktivität in der Nacht auf ein Minimum
  • reduziert die Körpertemperatur
  • dadurch arbeiten Organe weniger hastig, überleben also länger
  • die Zellen führen weniger Energie konsumierende Aktivitäten aus
  • es tritt ein hypothermer Zustand ein

In diesem hypothermen Zustand hat der Körper die Möglichkeit die natürliche Degeneration zu durchbrechen und außerdem diverse Reparaturvorgänge zu vollziehen, welche er im wachen Zustand nicht ausführt, da die dafür notwendige Energie anderweitig benötigt wird und die Körpertemperatur zudem zu hoch ist. Der Körper entspannt sich also und belebt sich zeitgleich, wodurch Alterserscheinungen definitiv verlangsamt werden können - weil der Körper weniger aktiv arbeitet, in Folge davon also weniger stark "verschleißt" und der Organismus zudem eine reparierende Tätigkeit aufnimmt.

Durch den Schutz der Mitochondrien und der indirekten Unterstützung der reparierenden Tätigkeit gegenüber geschädigter DNA, kann Melatonin also ebenso indirekt positive Effekte beim Anti-Aging einnehmen und zudem mitunter im Alter auftretenden Erkrankungen vorbeugen.

Melatonin gegen Tinnitus

Melatonin gegen Tinnitus

Forscher haben sich überraschend intensiv mit der Wirksamkeit von Melatonin gegenüber Tinnitus beschäftigt. Das langanhaltende, oftmals kontinuierliche Pfeifen oder Piepen im Innenohr avanciert schnell zur enormen psychischen Belastung - sowohl am Tag als auch beim Einschlafen sowie in der Nacht. Ausschlaggebend für die Masse der Studien dürfte sein, dass es für den Tinnitus nach wie vor kein wirklich verlässliches adäquates Mittel gibt. Oftmals bleibt Betroffenen nicht viel mehr übrig, als die Erkrankung aussitzen zu müssen, während man zugleich an diversen anderen Einflussfaktoren (beispielsweise Stress) arbeitet.

Die Studien kamen zu dem Schluss, dass das extern zugeführte Melatonin hilfreich sein kann, wenn der Tinnitus beim Ein- und Durchschlafen stört. Jedoch existieren noch keine wissenschaftlich einwandfrei durchgeführten Ergebnisse, die die Wirksamkeit bei der konkreten Behandlung wirklich untermauern würden. Für alle, die der bisherige Forschungsstand interessiert, wurden die Ergebnisse unter anderem auf dieser Seite zusammengefasst: https://www.researchgate.net/publication/271139943_Clinical_pharmacology_of_melatonin_in_the_treatment_of_tinnitus_A_review

Weitere Studien zum Thema finden sich unter anderem an dieser Stelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19589291 sowie https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21859051.

Melatonin und die Interaktion mit dem Immunsystem

Melatonin fuer starkes Immunsystem

Melatonin genießt seinen Ruf als das stärkste körpereigene Antioxidans. Es reguliert folglich nicht nur den Schlaf, sondern dient ebenso noch als Fänger von freien Radikalen. Selbige sind es, die ohne solch ein Antioxidans (und weitere antioxidative Stoffe) frei im Körper umherschwirren und Zellen angreifen würden. Melatonin hingegen bindet diese freien Radikale an sich, hilft sie zu neutralisieren und leitet dann alle Prozesse ein, die zum Ausscheiden dieser verantwortlich sind.

In indirekter Art und Weise wird damit also das Immunsystem gestärkt, da sich dieses auf die Abwehr fremder Viren und Bakterien konzentrieren kann, statt die Kräfte zur Abwehr freier Radikale einzusetzen. Ebenso widmet sich die Forschung zusehends stärker den Effekten von Melatonin mit Hinblick auf bakterielle Infektionen und septischen Verletzungen. (Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5387000/)

Trotz vieler möglicher positiver Effekte sollten einige Menschen in sogenannten "Risikogruppen" eine Einnahme von Melatonin zuvor mit ihrem Arzt absprechen. Unter anderem können Wechselwirkungen zu Antidepressiva, Medikamenten aus der Benzodiazepin-Gruppe, Betablocker, Blutverdünner, Tamoxifen und Steroide sowie Immunsuppressiva auftreten. Außerdem sollten schwangere und stillende Frauen pauschal auf eine Einnahme des Hormons verzichten.

Die Forschung an Melatonin steckt noch in den Kinderschuhen

Zwar liefern einige Forschungsergebnisse bereits gute Ansätze, dennoch steckt die Forschung vom Tag-Nacht-Rhythmus und dem Schlaf hinsichtlich des Melatonins immer noch in den Kinderschuhen. So existieren zwar viele Vermutungen oder bereits in Ansätzen erforschte Wirkungen, viele davon wurden aber noch nicht repliziert oder gelten aufgrund methodischer Fehler als nicht verlässlich. Es bleibt also spannend, was die Forschung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten für weitere Studien zu Melatonin und der Wirkung des Schlafhormons veranlassen wird.

Wenn Sie sich für Melatonin zum aktuellen Zeitpunkt entscheiden, sollte das aufgrund von existenten Schlafproblemen oder wegen dem leidigen Jetlag geschehen. Damit Ihnen die Wahl leicht fällt, haben wir in unserem Test die fünf gute Melatonin Produkte miteinander verglichen!

Lucia Baldessarini (Chefredakteurin)

    Lucia Baldessarini (Chefredakteurin)

    Lucia Baldessarini ist die Chefredakteurin von TrueHealth.org. Als leitende Journalistin hat sie nicht nur jahrzehntelange Erfahrungen in den Bereichen der ausführlichen Recherchen, Faktenprüfungen und Analysen sammeln können, sondern auch an wissenschaftlichen Texten arbeiten können, die ihr die nötige Expertise für qualitativ hochwertige Untersuchungen bescheren.

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