Magnesium & Co. – Verbraucherschützer warnen vor Überdosierungen

Warnung vor Magnesium Ueberdosierungen

Wer sich mit der Thematik rund um Nahrungsergänzungsmittel wie beispielsweise Magnesium, Kalzium sowie weiteren Vitaminen einmal genauer beschäftigt, wird schnell feststelle, dass vor allem Verbraucherschützer der Einnahme derartiger Präparate kritisch gegenüberstehen. Immer wieder sprechen sie Warnungen aus, dass manche Präparate mehr Magnesium als die empfohlene maximale Tagesdosis enthalten und vor allem bei Personen, die empfindlich sind Beschwerden hervorrufen kann.

Fakt ist: Der Markt bietet ein nahezu unüberschaubares Sortiment an Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitaminen und Mineralstoffen wie Zink, Calcium und Magnesium. Dabei können die entsprechenden Nahrungsergänzungsmittel sowohl in Supermärkten und Drogerien als auch in Reformhäusern, Apotheken und im Internet problemlos erworben werden. So ist es nicht verwunderlich, dass neben Freizeitsportlern und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem auch gesundheitsbewusste Personen gerne und oftmals täglich auf derartige Präparate zurückgreifen.

Magnesiumprodukte sind oftmals überdosiert

Bereits seit mehreren Jahren stellen Magnesiumprodukte einen echten Verkaufsschlager dar. Magnesium wird eingesetzt, um eine Lockerung der Muskeln herbeizuführen und präventiv gegen Krämpfe zu wirken. Problematisch ist jedoch, dass nur sehr wenige Konsumenten darauf achten, wie hoch die jeweiligen Magnesiumpräparat dosiert ist. Zu diesem Schluss kommt zumindest der Deutsche Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) im Rahmen einer Untersuchung. Welche Magnesium Nahrungsergänzungsmittel empfehlenswert sind und nicht über eine zu hohe Dosierung verfügen, erfahren Sie in unserem großen Magnesium Produkttest.

Fakt ist, so die Untersuchungsergebnisse des VZVB, dass zwei Drittel der von ihm untersuchten Magnesium Nahrungsergänzungsmittel eine deutlich höhere Magnesiummenge enthalten als empfohlen wird. Anzumerken ist diesbezüglich, dass die Höchstmenge vom VZVB auf einen Wert von 250 Milligramm pro Tag festgelegt wurde. Anzumerken ist zudem, dass dieser Wert – dies ist beispielsweise bei schwangeren Frauen oder Frauen in der Stillzeit der Fall – unter dem Wert liegt, der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung Frauen dieser Gruppe empfohlen wird. Je nach Alter der Frau variiert der Wert zwischen 310 und 350 Milligramm Magnesium pro Tag.

Nichtsdestotrotz lagen knapp 65 Prozent der untersuchten Magnesium Nahrungsergänzungsmittel mit etwa 425 Milligramm pro Tagesdosis weit über dem genannten Wert. Unter den getesteten Produkten fand sich sogar ein Nahrungsergänzungsmittel, das 1.100 Milligramm Magnesium aufwies. Personen, die ihrem Körper eine zu große Menge Magnesium zuführen, müssen mit unliebsamen Nebenwirkungen rechnen. Neben Schlafstörungen, Erbrechen und Durchfall sowie Hautirritationen – und dies ist weitaus problematischer – stellt eine Magnesiumüberdosierung allerdings auch für Nieren und Leber eine unnötige Belastung dar. Weitere Folgen

Verbot von Werbung mit Gesundheitsbezug

Im Zuge seiner Untersuchung der Nahrungsergänzungsmittel hat das VZVB zudem ungünstige Wirkstoffkombinationen von Mineralstoffen und Vitaminen gefunden. Finden sich in einem Präparat beispielsweise sowohl Kalzium als auch Magnesium, würden sich hierdurch beide wechselseitig in ihrer Aufnahme durch den Organismus behindern. Grundsätzlich weisen die Experten darauf hin, dass eine Selbstmedikation mit differenten Nahrungsergänzungsmitteln nicht ratsam, sondern vielmehr riskant sei.

Allerdings würde Nahrungsergänzungsmittel-Markt kontinuierlich wachsen, denn den Verbrauchern würde suggeriert, dass die Einnahme von differenten Präparaten ihrer Gesundheit zuträglich wäre.

De facto verwendeten in Deutschland im Jahr 2015 etwa 35 Prozent der Verbraucher Nahrungsergänzungsmittel und setzten in Supermärkten, Drogerien, Apotheken und im Internet etwa 1,1 Milliarden Euro für Nahrungsergänzungsmittel um. Dabei liegen Magnesiumprodukte auf dem 1. Platz gefolgt von Kalzium und Eisen.

Obschon gesundheitsbezogene Aussagen in den Werbebeiträgen für  Nahrungsergänzungsmittel von der Europäischen Union zugelassen sein müssen, finden sich vor allem im Internet auch weiterhin Versprechen, die darauf insistieren, dass sich eine Besserung der Gesundheit einstelle.

Konsultieren eines Mediziners unbedingt empfehlenswert

Experten empfehlen Verbrauchern im Allgemeinen erst dann Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen, wenn sie vorab mit einem Arzt gesprochen haben. Relevant ist diesbezüglich auch die Frage, ob die jeweilige Person unter einer Unterversorgung mit dem jeweiligen Vitamin, Spurenelement oder Mineralstoff leidet. In Mitteleuropa seien jedoch die meisten Menschen – natürlich spezifische Risikogruppen ausgeklammert – ausreichend mit Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen versorgt. Entsprechend sei eine zusätzliche Zufuhr durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln nicht notwendig.

Wissenswert: Nahrungsergänzungsmittel werden nicht den Arzneimitteln zugerechnet: Während es sich bei Nahrungsergänzungsmitteln um Lebensmittel handelt, welche den in Deutschland gültigen lebensmittelrechtlichen Vorschriften unterliegen, handelt es sich bei Arzneimitteln um Erzeugnisse, die dazu dienen sollen, Krankheiten und Leiden sowie krankhafte Beschwerden und Körperschäden zu heilen. Arzneimittel dürfen zudem nur dann in Verkehr gebracht werden, wenn Sie zugelassen sind. Ipso facto müssen deutlich mehr Auflagen und Richtlinien erfüllt und den Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes entsprochen werden, wenn eine Arznei auf den Markt gebracht werden soll.

Experten fordern klare Regelungen für Höchstmengen in Nahrungsergänzungsmitteln

Europaeische Union hoechstmengen Nahrungsergaenzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel sollen dazu eingesetzt werden, um eine unzureichende Ernährung um fehlende Nährstoffe zu ergänzen. Da es sich, wie oben erläutert nicht um ein Arznei- sondern ein Lebensmittel handelt, ist ein Nahrungsergänzungsmittel demnach nicht konzipiert, um Krankheiten vorzubeugen oder sogar zu heilen.

Durch eine Richtline der Europäischen Union ist zwar festgelegt, welche Mineralstoffe und Vitamine in Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet werden dürfen, allerdings werden in der genannten Richtline keine Grenzwerte angegeben. Hieraus folgt, dass ebenso wie bei allen anderen Lebensmitteln die jeweiligen Hersteller für die Produktsicherheit Verantwortung tragen. Verantwortlich sind die Hersteller dagegen nicht dafür, wie viel von den Nahrungsergänzungsmitteln von den Verbrauchern konsumiert werden.

Aus den genannten Gründen dringen die deutschen Verbraucherzentralen darauf, auch für Nahrungsergänzungsmittel eine in der gesamten EU gültige Zulassungspflicht und genaue Regelungen in Bezug auf die Dosierung zu implementieren. Sie fordern darüber hinaus, dass Konsumenten online öffentlich zugängliche Listen  einsehen können, in denen von Institutionen und Behörden geprüfte Nahrungsergänzungsmittel gelistet werden.

Lucia Baldessarini (Chefredakteurin)

    Lucia Baldessarini (Chefredakteurin)

    Lucia Baldessarini ist die Chefredakteurin von TrueHealth.org. Als leitende Journalistin hat sie nicht nur jahrzehntelange Erfahrungen in den Bereichen der ausführlichen Recherchen, Faktenprüfungen und Analysen sammeln können, sondern auch an wissenschaftlichen Texten arbeiten können, die ihr die nötige Expertise für qualitativ hochwertige Untersuchungen bescheren.

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